Da gutes Geldverhalten nicht vom Himmel fällt, ist es interessant, sich zuerst anzusehen, was die Voraussetzungen sind, um überhaupt ein gutes Geldverhalten aufzubauen. In diesem Beitrag beschreibe ich, wo diese Voraussetzungen herkommen – und wie uns der logische Teil unseres Gehirns zu einem besseren Umgang mit Geld führt.

Bewusst oder unbewusst

Der unbewusste Teil unseres Gehirns macht ungefähr 90 Prozent aus, manche Wissenschaftler gehen sogar von noch mehr aus. Wir können bewusst also nur auf zehn Prozent unseres Gehirns zugreifen. Nun gibt es – sehr vereinfacht gesagt – nur zwei Gründe, warum etwas im Bewusstsein bleibt und nicht nach unten sackt.

Erstens: wir tun etwas sehr regelmäßig. Routinen. Jeden Tag zur Bushaltestelle laufen. Zweimal pro Woche Fußball spielen. Täglich deinen Kindern und deiner Frau sagen, dass du sie liebst. Dinge, die wir regelmäßig tun, bleiben in den oberen zehn Prozent unseres Kopfes, im Bewusstsein. Der zweite Grund, warum etwas in unserem Bewusstsein bleibt: Etwas ist mit sehr starken Emotionen verbunden. Wenn du zum Beispiel verheiratet bist: Hast du die Hochzeitsnacht vergessen? Nein? Eben. Wenn du eine Frau bist und ein Kind hast: Hast du die Geburt deines Kindes vergessen? Keine Frau auf dieser Welt hat je diese Frage mit Ja beantwortet. Also, wir behalten Dinge bewusst, die wir wiederholt tun oder die mit starken Emotionen verbunden sind. Diese Erlebnisse können wir nicht vergessen.

Gutes Geldverhalten kommt durch Routine und Erfahrung

Und genauso ist es auch beim Geld: Wir haben Geld bewusst durch Wiederholung oder durch eine Emotion gelernt. Und wo hast du schmerzhaft etwas über Geld gelernt?

Wenn ich diese Frage in meinen Vorträgen oder Seminaren stelle, melden sich etwa zwei Drittel der Teilnehmenden. Wenn wir Schmerzen haben, was tun wir? Siehe oben: Wir vergessen die Erinnerung nicht. Das kann zwei Auswirkungen haben. Nehmen wir das Beispiel Schulden. Wenn du dir schon einmal Geld leihen musstest, dann kennst du die Scham, das Gefühl der Ausweglosigkeit und Verzweiflung. Es ist sogar wissenschaftlich bewiesen, das Schulden krank machen.

Gutes Geldverhalten müssen wir lernen – und dafür Anderes verlernen

Wenn die Eltern verschuldet waren und ein Kind in der dazugehörigen Stimmung von Mangel, Angst und Sorge aufgewachsen ist, produziert es später als Erwachsener diesen Schmerz wieder neu. Deshalb finden sich Menschen so häufig genau in der Geldsituation wieder, die sie als Kind kennen gelernt haben. Erst einmal jedenfalls. Bis wir etwas Neues lernen und auch wirklich verankern. Wir erinnern uns: Es bleiben die Dinge hängen, die wir wiederholt tun und die mit starken Emotionen verbunden sind. Also können wir auch etwas Neues etablieren – zum Beispiel gutes Geldverhalten.

Fünf in Mathe? Schulden? Kein Problem – du kannst trotzdem lernen, mit Geld umzugehen

Das sollen ab jetzt die Dinge sein, die Geld zu einer unterstützenden Kraft machen. Wir alle können das schaffen, uns anders aufzustellen. Wenn wir es wollen. Wenn wir einen guten Grund haben, es zu wollen. Wenn wir bereit sind, dafür Zeit und Mühe zu investieren. Mühe, die sich nach und nach in Spaß und Freude verwandelt. Und wenn wir bereit sind, uns selbst zu reflektieren und auch schmerzhafte Wahrheiten anzusehen, zum Beispiel über die eigene Geldbiografie.
Dazu möchte ich eine Geschichte über ein Erlebnis im Parkhaus erzählen:

Beharrlich dranbleiben, denn es ist nicht so schwer, wie du denkst

Ich war vor einigen Jahren bei einem großen Event als Redner zum Thema Geld eingeladen. Ich bin nach München geflogen und später mit einem Leihwagen ins Parkhaus gefahren. Da unten war ich erst einmal ganz allein. Es war Samstagvormittag, das Parkhaus war komplett leer. Das war mir ganz recht, denn so konnte ich mich in Ruhe umziehen. Während ich meinen Pullover ausziehe und gerade im Unterhemd dastehe, fährt ein Auto ins Parkhaus. Am Steuer sehe ich eine Frau. Ich beobachte, wie sie einparkt, während ich mein Hemd zuknöpfe. Sie steht halb auf dem Parkplatz, macht den Motor aus, steigt aus. Guckt die Begrenzungslinie des Parkplatzes entlang, schüttelt den Kopf, steigt wieder ein, wirft den Motor an, fährt zurück. Das Ganze einige Male, bis sie halbwegs gerade in der Parklücke steht. Insgesamt ist sie sechs oder sieben Mal ein- und ausgeparkt und ein- und ausgestiegen.

Nicht aufgeben, auch wenn man’s nicht kann – das ist die richtige Einstellung

Ich gehe zu ihr hin: „Wissen Sie was, ich finde Sie den Hammer.“
„Sagen Sie nicht, dass Sie gesehen haben, wie ich eingeparkt habe.“
„Doch, ich habe es beobachtet und genau das finde ich so toll.“
„Ich bin keine gute Fahrerin“, gibt sie zu, „deswegen fahre ich auch schon morgens so früh hierher, damit ich kein anderes Auto anfahre.“
„Jetzt finde ich Sie erst recht großartig. Sie geben nicht auf, bis Ihr Auto gerade steht, und das finde ich stark.“

Gutes Geldverhalten kommt vor allem dadurch, dass du dranbleibst

Ich möchte dich einladen, alles, was dir zum Thema Geld begegnet – ob hier oder in deinem Alltag – genau mit dieser Inbrunst zu erleben und zu überdenken, wie diese Frau das Einparken.
Du kannst dich mit genau dieser Entschlossenheit und Beharrlichkeit mit dem Thema Geld beschäftigen. Es gibt viele, die das riesige Potenzial, das im Geld liegt, noch nicht kennen. Es gibt viele, die nicht wissen, wie man sein Geld vermehrt und damit im eigenen Leben und im Leben anderer so unglaublich viel Gutes bewirken kann.

Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die keinen guten Umgang mit Geld haben. Dann kann es kann eine Weile dauern, bis du so viel Feuer bei dem Thema fängst, dass es sich wie ein Selbstläufer in deinem Kopf etabliert. Du gehst wie die Frau im Parkhaus sieben Mal oder 14 Mal vor und zurück, bis du den richtigen Dreh beim Geld raushast. Aber wenn du dranbleibst, wirst du es irgendwann wissen. So wie die Frau irgendwann ohne eine einzige Korrektur einparken wird, wenn sie weiter so entschlossen Auto fährt, wie bisher.

Geh mit der nötigen Intensität ran

Bitte geh deine Finanzen mit derselben Intensität wie die Frau das Einparken an. Mit demselben Engagement, wie du deine Gesundheit, deinen Partner und deine Kinder liebst. Diese Intensität brauchst du. Dann bist du bereit dazu, wohlhabend zu werden.
Und auch wenn das jetzt nach unzähligem Hinfallen und wieder Aufstehen klingt: Nein, es ist nicht so schwer, finanziell unabhängig zu werden. Es ist auch nicht so mühsam und hart, wie viele denken, die Geldverdienen und auch gutes Geldverhalten mit harter Arbeit assoziieren. Finanziell unabhängig zu sein heißt auch nicht gleich, dass du Millionär oder Multimillionärin werden sollst. Mir geht es nur darum, dass du lernst, wie man Geld richtig versteht und welche Strategien und Techniken man braucht und einsetzt, damit es dir in deinem Leben besser geht.

Über den Autor: Philipp J. Müller

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