Eine der vielen Erkenntnisse, die meine Kernaussage „Kümmere dich selbst um dein Geld“ belegt: Es gibt kein Ressourcenproblem, sondern „nur“ ein Verteilungsproblem. Es mangelt nicht an Geld, sondern an einer gleichmäßigeren Verteilung in der Bevölkerung.

Das Verteilungsproblem betrifft nicht nur das Geld

Man mag es erst einmal kaum glauben, aber das Verteilungsproblem ist ein Phänomen, das wir weltweit bei allen möglichen Ressourcen beobachten. So werden zum Beispiel Lebensmittel in vielen wohlhabenden Ländern in unvorstellbaren Massen vernichtet. Nach Angaben der FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, werden jedes Jahr 1,3 Milliarden Tonnen genießbare Lebensmittel – etwa ein Drittel der Weltproduktion – gar nicht geerntet oder eben später vernichtet. Jeder Deutsche wirft im Durchschnitt pro Jahr 82 Kilo noch essbare Lebensmittel in den Müll, das sind insgesamt mehr als 6,5 Milliarden Kilo. Dagegen haben in anderen Ländern die Menschen nicht mal eine Schüssel Reis für den Tag. Weltweit leiden fast 800 Millionen Menschen an Hunger. Ähnlich ist es beim Geld. Ich behaupte:

Es ist genug für alle da

Schauen wir uns das etwas genauer an. Das Wissen darüber kann uns helfen, Mut zu fassen und ein Verständnis zu entwickeln: Es ist genug da und wir können an der bestehenden Fülle teilhaben. Dass Verteilungsproblem ist lösbar! Diese Erkenntnis ist auch mein Antrieb für mein Buch „GELDRICHTIG“. Ich will – im Sinne von Robin Hood – eine Umverteilung erreichen – natürlich nicht durch das Ausrauben der Reichen, sondern durch den Aufbau von Geldkompetenz für jedermann. Auch arme Menschen sollen mehr am bestehenden Reichtum partizipieren, die Reichen können ruhig ein bisschen weniger haben. Das fällt gar nicht auf und schadet niemandem. Es ist genug für alle da. Das ist die Grundhaltung, die dich in Zukunft begleiten sollte.
Wir beschäftigen uns hier jetzt mal mit zwei Punkten des Verteilungsproblems, dem Einkommen und dem Vermögen.

Immer mehr Einkommen ist bei immer weniger Menschen konzentriert – ein echtes Problem

Zum Einkommen in Deutschland gibt es eine aktuelle Studie des wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI). Danach sind die Einkommen in Deutschland so ungleich verteilt wie nie zuvor – und das trotz Lohnsteigerungen und günstiger Arbeitsmarktlage. Immer mehr Einkommen konzentriert sich bei den wenigen Menschen mit auch zuvor schon hohem Einkünften. Von der guten Wirtschaftslage der vergangenen Jahre profitierten also nur die Wohlhabenden, höchstens noch die gesellschaftliche Mitte. Das steigert das Verteilungsproblem noch einmal mehr.

Der Niedriglohnsektor bleibt dagegen sehr groß, in dem es keine Lohnsteigerungen gibt. Die 40 Prozent der Haushalte mit den geringsten Einkommen profitieren nicht. Sie sind sogar weiter zurückgefallen, auch wenn die Ungleichheit langsamer wächst als Anfang der 2000er Jahre. Es gibt immer mehr Haushalte, die über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügen und deshalb als arm gelten. Im Jahr 2010 waren es 14,2 Prozent, 2016 schon 16,7 Prozent. Die sogenannte Armutslücke ist größer geworden und zwar nicht um ein paar Prozent, sondern um fast 30 Prozent. Diese Lücke ist der Betrag, der in einem armen Haushalt fehlt, um über die 60-Prozent- Hürde zu kommen: 2005 waren das 2.873 Euro pro Jahr, 2016 inflationsbereinigt schon 3.452 Euro.

Auch beim Vermögen tritt das Verteilungsproblem klar zutage

Durch die für die Wohlhabenden gute Einkommenslage haben viele Menschen in den vergangenen Jahren mehr ansparen können, zudem haben Immobilien an Wert gewonnen, und der Immobilienbesitz liegt ebenfalls in der Hand der Wohlhabenden. So ist also auch beim Vermögen der Deutschen der Unterschied groß, denn zum Vermögen zählen Immobilienbesitz, Sparguthaben, Aktien und Investmentanteile, Ansprüche aus Lebens- und privaten Rentenversicherungen, Betriebsvermögen sowie wertvolle Sammlungen wie Gold, Schmuck, Münzen oder Kunstgegenstände. Eine groß angelegte Studie, innerhalb der 30.000 Menschen ab 17 Jahren vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) befragt wurden, zeigt, dass die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung 56 Prozent des gesamten Vermögens besitzen. Die ärmere Hälfte der Bevölkerung hat nur einen Anteil von 1,3 Prozent am gesamten Vermögen.

Die Vermögensungleichheit in Deutschland ist auch im internationalen Vergleich sehr hoch. Immerhin hat diese Ungleichheit in den letzten zehn Jahren nicht zugenommen. Das Netto-Vermögen pro Kopf ist von 2012 bis 2017 durchschnittlich um 22 Prozent auf knapp 103000 Euro gestiegen. Der sogenannte „Medianwert“, der die reichere Hälfte der Bevölkerung von der unteren Hälfte trennt, liegt jedoch nur bei 26.000 Euro und zeigt damit die starke ungleiche Verteilung der Vermögen.

Welchen Schluss kannst du aus diesen Zahlen und Fakten ziehen?

Ich finde diese Zahlen ziemlich schockierend. Zugleich finde ich sie interessant, weil sie meine These stützen, dass genug für alle da ist. Was du mit dieser Erkenntnis machst, ist die große Frage. Denn man kann sehr unterschiedliche Schlüsse aus solchen Zahlen und Studienergebnissen ziehen. Sehen wir uns im nächsten Abschnitt deshalb einmal die drei Haltungen an, die man dazu einnehmen kann. Welche gilt für dich?

Die drei möglichen Haltungen zum Thema Geld

In der westlichen Welt benötigen wir ein regelmäßiges Einkommen, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Wir haben aus meiner Sicht, ganz grob eingeteilt, drei Möglichkeiten, das Thema Finanzen für uns zu regeln und so mit dem Verteilungsproblem umzugehen. Erstens: Revolutionär werden und das aktuelle System bekämpfen. Zweitens: ein Land suchen, in dem der Kapitalismus als Geldsystem wie wir es kennen, nicht existiert oder zumindest sehr wenig ausgeprägt ist. Drittens: Die Regeln des „Geldspiels“ erlernen und für sich das gewünschte Einkommen und Vermögen produzieren.

Wenn auch Variante 1 auf den ersten Blick für die meisten sicher abwegig erscheinen mag, so kann es dennoch sein, dass wir uns innerlich wie Revolutionäre verhalten, die das System, in dem wir leben, komplett ablehnen und zum Beispiel einfach nichts tun.

Variante 1: Revolutionär werden

Die erste Variante, für die wir uns beim Thema Geld entscheiden können, ist die, davon auszugehen, dass das ganze Geldsystem gefährlich und verwerflich sei. Dann können wir zum inneren oder äußeren Revolutionär werden. Als Revolutionär könntest du also sagen: „Geld ist die Wurzel allen Übels. Ich zücke mein Schwert und ziehe in den Krieg gegen den Kapitalismus und dessen Verteilungsproblem“. Man konnte das in Hamburg im Sommer 2018 erleben: G20-Gipfel. Da haben Leute, die gegen den Kapitalismus sind, Steine von den Dächern geschmissen.

Aber glaubst du – wenn du solch ein Revolutionär bist – wirklich, dass „die Jungs“, die an den großen Hebeln sitzen, sich von dir oder einer kleinen Gruppe von Gewaltbereiten die Herrschaft über die Welt wegnehmen lassen? Als Revolutionär kann es sein, dass du meinen Ansatz ziemlich blöd findest. Aber ich will auch revolutionieren, nur auf andere Weise. Die nächsten beiden Entscheidungsvarianten sind aus meiner Sicht interessanter, weil machbarer.

Variante 2: Kapitalismus „verlassen“

Wenn wir Kapitalismus, freie Marktwirtschaft und Demokratie ablehnen, könnte die zweite Variante in Frage kommen. Und ja, es gibt treffliche Gründe für eine Ablehnung. Ich habe mir die Frage nach dem Sinn des kapitalistischen Systems sehr, sehr lange und sehr oft in den letzten Jahren gestellt. Wenn jemand zu dem Schluss kommt, dass er oder sie das System wirklich ablehnt, müsste er oder sie die westliche Welt verlassen. Das meine ich liebevoll, nicht empört oder vorwurfsvoll. Ich kenne Menschen, die das getan haben. Es gibt Regionen auf der Welt, in denen du gut leben kannst, weil du Deutscher, Österreicher oder Schweizer bist oder größer gesagt, weil du aus dem zentraleuropäischen Bildungsraum stammst. Mit dieser Ausgangslage, der Sprachkenntnis, deinen erlernten Fähigkeiten, kannst du mit ganz wenig Geld irgendwo auf der Welt leben. Völlig entspannt und ohne das Verteilungsproblem im Hinterkopf haben zu müssen.

Wenn du das kapitalistische System ablehnst, warum lebst du in Zentraleuropa, wo Geld über alles entscheidet? Das macht keinen Sinn, das ist ein Widerspruch in sich. Wie beim Essen: Du isst gerne, weißt aber, was passiert, wenn du viel isst. Du wirst dick, was du nicht willst. Genauso ist es beim Kapitalismus-Verächter: Du kannst nicht in der westlichen Welt leben, Auto, Wohnung, alles bezahlen müssen und auf der anderen Seite Geld ablehnen. Das funktioniert nicht. Also Möglichkeit zwei, du verlässt das System. Wie sieht es mit der dritten Variante aus – die ich hier vorschlage?

Variante 3: Die Regeln des Geldsystems lernen und mitspielen

Jetzt kommt die Möglichkeit, um die es mir am meisten geht: Du lernst die Regeln des Geldsystems und damit produzierst du das für dich gewünschte Einkommen und Vermögen. Es ist nicht schwer, die Regeln von Geld zu lernen. Jetzt denkst du vielleicht: „Na, der Philipp hat gut reden. Wenn die Regeln so leicht wären, dann würden sie doch alle beherrschen.“ Aber das stimmt nicht. Denn es gibt einen Grund, warum sie erst wenige beherrschen: Keiner zeigt dir die Regeln. „Die große Unwissenheit“ grassiert überall bei uns und das absurderweise, obwohl wir in einem kapitalistischen System leben, das auf Geldregeln basiert.

Die Kombination aus Kapitalismus, freier Marktwirtschaft und Demokratie sowie ethisch-moralischer Eigenverantwortung des Einzelnen ist für mich die sinnvollste und für jeden gangbare Variante: Wir müssen nicht in einer Ellenbogengesellschaft leben. Wir müssen uns nicht mit dem Verteilungsproblem abfinden, sondern wir können einen Nutzen stiften, indem wir Menschen dienen und helfen, und daraus können wir dann gerne ein sehr gutes Einkommen generieren. Auf diesem Weg gehen wir weiter. Ich sage im nächsten Beitrag noch etwas darüber, wie ich selbst mit voller Kraft danach lebe, weil es meine Mission ist. Das soll als ein Beleg für dich dienen, damit du sicher sein kannst, dass das Ganze auch in deinem Leben gut umsetzbar ist.

Über den Autor: Philipp J. Müller

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