Das Töpfesystem ist wie ein Plan: Du nimmst deine Finanzen selbst in die Hand – kein anderer und schon gar nicht der Zufall. Wenn du wirklich erfolgreich mit deinen Finanzen werden willst, brauchst du ein klares, übersichtliches System, an das du dich hältst und das eine Automation deiner regelmäßigen Einnahmen pragmatisch umsetzt. Wie das funktioniert, erfährst du in diesem Beitrag.

Drei Schritte, bevor du mit dem Töpfesystem startest

Ganz am Anfang des Systems steht die Frage: „Wie hoch sind deine monatlichen Ausgaben?“ Schau auf dein Konto und liste deine Ausgaben auf.

Als zweites vorab musst du definitiv wissen, wie hoch dein Einkommen ist, das in unser Töpfesystem fließen kann. Das ist bei den meisten von uns das Gehalt. Auch Selbstständige oder zum Beispiel Geschäftsführer sollten sich ein Gehalt auszahlen, und nicht – so wie viele – nur das nehmen, was übrigbleibt. Darüber hinaus können selbstverständlich noch mehr Einkünfte hinzukommen wie das monatliche Kindergeld oder die Renditen aus Investments.

Als drittes sollten wir uns einen genauen Überblick darüber verschaffen, wie viel Vermögen, Geld vorhanden ist. Das könnten bei der Sechzehnjährigen 175 Euro sein oder bei dem Unternehmer eine Millionen Euro Betriebsvermögen auf seinem Firmenkonto. Vermögen ist Vermögen, es kann wachsen und die 175 Euro können der Anfang sein, der mit Zinseszinseffekt und klugem Vermögensaufbau die Rente sichern wird.

Das Grundprinzip des Töpfesystems

Schauen wir uns das Grundprinzip am Beispiel von Anna an, die unsere Ausbildung absolviert hat. Sie ist angestellt, hat kein Geschäftskonto und bekommt ihr Gehalt regelmäßig auf ein privates Girokonto.

Das sind 2000 Euro netto. Das Geld reicht in der Regel bis zum Monatsende, sie nutzt ihren Dispokredit nur selten. Anna kann also schon mit ihrem Geld haushalten, denn sie bleibt auf ihrem Konto im Plus. Aber ums Sparen kümmert sie sich bisher nicht.

Auf diese 5 Töpfe verteilst du dein Einkommen

Nach unserem Seminar beginnt sie, das Töpfesystem umzusetzen. Zum Glück, wie sich später zeigen wird. Von ihrem Girokonto aus richtet sie Sparaufträge und Daueraufträge auf fünf Unterkonten ein , so dass ihr Einkommen zu einem Teil automatisiert auf die verschiedenen Unterkonten verteilt wird. Sie hält sich dabei an meine Faustregel:

  • 60 Prozent für Lebenshaltung
  • 10 Prozent für große Anschaffungen
  • 10 Prozent für Bildung und Spaß
  • 10 Prozent für Spenden
  • 10 Prozent für Sparen

Anna weiß zu diesem Zeitpunkt schon, dass das Ziel des Töpfesystems ist, ihr Verhalten in Bezug auf ihre Finanzen zu verändern, um andere Ergebnisse zu produzieren.

Topf 1: Leben – 60 Prozent

Deine Lebenshaltungskosten sollten niemals 100 Prozent betragen, wie es anfangs bei Anna der Fall war. Wir brauchen ungefähr 40 Prozent unseres Einkommens für andere Zwecke als „Leben“. Auf dem „Leben“-Konto belassen wir also maximal 60 Prozent. Mit 60 Prozent anzufangen ist kein schlechter Start, wenn wir unnötige Konsumausgaben reduzieren. Später kannst du diese Summe eventuell weiter anpassen, wenn du mehr Geld zur Verfügung hast.

Die wichtigste Frage, um auf 60 oder weniger Prozent zum Leben zu kommen, lautet also bei jeder Ausgabe: „Ist das wirklich nötig?“ Wer sich diese Frage ernsthaft stellt, kann oft von 60 Prozent sogar auf 40 oder 30 Prozent für den „Leben“-Topf kommen.

Topf 2: Große Anschaffungen – 10 Prozent

Neben dem Girokonto für die Lebenshaltungskosten kommt das erste Unterkonto, zum Beispiel ein Sparkonto bei derselben Bank – für große Anschaffungen. Dazu zählen Dinge, die du aus deinem „Leben“-Topf auf dem Girokonto nicht bezahlen kannst und willst. Mit dem „Große-Anschaffungen“-Topf bist du für notwendige, meist überraschend eintretende Notsituationen gewappnet, wenn du lernst, dich zu gedulden und Wünsche aufzuschieben.

Topf 3: Bildung und Spaß – 10 Prozent

Warum ist es wichtig, einen eigenen Topf für Bildung zu haben? Wir müssen in uns selbst investieren, denn durch Fortbildungen werden wir automatisch wohlhabender. Genauso ist es mit Büchern: Ein Buch kostet selten mehr als ein gutes Abendessen. Doch hier überlegen die Leute manchmal drei Mal, ob sie das investieren sollten. Ja, sollten sie! Wenn der Bildungstopf gut gefüllt ist, können wir ganz in Ruhe aussuchen, welche tolle Fortbildung wir nun machen wollen. Es ist ein gutes Gefühl, über genug Geld für Bildung zu verfügen.

Kommen wir noch zum Spaß, der mit diesem Konto auch seinen Platz in deinem Leben finden wird. Das Geld auf diesem Konto ist dafür da, schöne Dinge mit Spaß zu machen, ohne darauf achten zu müssen, was es kostet. Wir lernen damit, wie sich finanzielle Freiheit anfühlt. Spaß bedeutet Dinge tun zu können, die wir uns bisher nicht leisten konnten.

Ist das mit der Grundfrage für alle Ausgaben vereinbar: „Ist das wirklich nötig?“ Ja. Denn im Bildungs- und Spartopf gelten andere Regeln: Es ist wichtig, dass wir uns reich fühlen und das üben wir mithilfe des Spaßtopfes. Dieser Topf ist dafür da, sich „wohlhabend“ zu fühlen. Das Töpfemodell ist also mehr als nur eine technische Aufteilung deiner Geldvorräte.

Topf 4: Spenden – 10 Prozent

Dieser Topf ist einer meiner Lieblingstöpfe. Denn Spenden heißt Gutes tun, anderen und sich selbst. Es gibt eine einfache Grunderkenntnis: Geld ist Energie und wann immer wir etwas geben, bekommen wir etwas zurück. Seltener wohl direkt, häufig auf anderen Wegen.

Unter Spenden verstehe ich übrigens nicht nur die klassischen Spenden an eine wohltätige Organisation, sondern es können zum Beispiel auch Spenden an einzelne Menschen in deiner Umgebung sein.

Topf 5: Sparen – 10 Prozent oder mehr

Nun kommen wir zu einem weiteren meiner Lieblingstöpfe, den wir für die Geldvermehrung ganz konkret nutzen werden. Der „Sparen“-Topf. Er ist der Topf für deine finanzielle Unabhängigkeit.
Du nimmst nichts aus diesem Topf heraus, sondern tust nur hinein, bis du von den Zinsen leben kannst. Dann bist du irgendwann finanziell unabhängig. Wenn das schnell gehen soll, spare mehr, 30, 40 Prozent, dann bist du schneller finanziell frei.
Der Spartopf unterteilt sich nochmals, so dass sich drei Untertöpfe ergeben: Einer für Investments, wie ich das eben beschrieben habe, einer als Notgroschen mit zwei bis drei Monatsgehältern, und einer als Ruhig-Schlafen-Konto mit sechs bis 18 Netto-Monatsgehältern bei Angestellten, 12 bis 24 Netto-Monatseinkommen bei Selbstständigen.

Unsere Anna spart seit Neuestem zehn Prozent ihres Einkommens für einen Ruhig-Schlafen-Vorrat an, ihr Ziel sind sechs Monatsgehälter, so dass dann rund 33.000 Euro bar auf ihrem Tagesgeldkonto liegen. 33.000 Euro, die ihr ermöglichen, bedächtig und nicht aus Panik heraus wichtige Schritte zu veranlassen, um sich neu auszurichten, um eine Krise ohne Geldsorgen zu überstehen und dabei weder in die Schuldenfalle zu geraten noch ihre finanzielle Souveränität zu verlieren.

Mit dem Töpfesystem baust du dein Vermögen ganz nebenbei auf

Das dritte Drittel in Annas Spartopf, also fünf Prozent, nutzt sie, um ihr Vermögen weiter aufzubauen. Anna macht das ungewöhnlich konsequent – deshalb erzähle ich auch so gerne von ihr. Es ist bemerkenswert, wie viele Menschen das nicht tun, weil sie jahrzehntelang glauben, wenn sie irgendwann mal genug verdienen, würden sie anfangen, Geld beiseite zu legen, nur eben gerade jetzt noch nicht. Doch alle, die glauben, dass sie später sparen, machen sich etwas vor. Deswegen ist dieser Spartopf so wichtig. Du solltest wie Anna konsequent mindestens zehn Prozent oder möglichst noch mehr einzahlen, denn damit bezahlst du dich selbst. Konsequent.
Abschließend noch ein Hinweis zum Thema Gehaltserhöhung und Bonus: Spare mindestens 50 Prozent dieses zukünftigen Geldes. Denn das ist Geld, was Du nicht kalkuliert hast, du musst es also nicht verbrauchen.

Ich bin heute felsenfest davon überzeugt: Wenn du es nicht schaffst, mit 2.000 Euro netto gut umzugehen und dein Leben ohne Schulden und mit einem finanziellen Polster zu gestalten, dann kriegst du auch nicht mehr Geld. Also fang mit dem Töpfesystem an, dein Geld sinnvoll zu verwalten.

Über den Autor: Philipp J. Müller

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