Heute möchte ich dir etwas an die Hand geben, wie du mit dem Thema „Schulden“ am besten umgehen kannst. Was du tun kannst, was du lassen kannst – und was Sinn macht. Denn das Thema Schulden wird meiner Meinung nach von vielen falsch gesehen.

Wie du Schulden vermeidest? Mach keine!

Ich treffe immer wieder Menschen, die sagen, es gäbe intelligente Schulden. Das ist aus meiner Sicht nicht richtig.
Meine erste Regel lautet deshalb: Mach keine Konsumschulden. Wenn du etwas haben willst – zum Beispiel einen Urlaub– und das Geld nicht hast, kauf es auch nicht.

Jetzt denkst du vielleicht, das ist leichter gesagt als getan. Aber warum willst du diesen Urlaub so dringend? Weil du dich endlich mal ausruhen und erholen willst? Nun, das kannst du auch mit einem Sauna-Tag erreichen, oder wenn du öfter im Wald spazieren gehst. Vielleicht sogar besser, weil du den Stress und die lange Reise nicht hast.

Viele Anlässe, um dich zu verschulden, solltest du aus einer anderen Perspektive sehen

Die zweite Regel, ganz konkret: Ein Autokauf ist möglich mit zwei Netto-Monatsgehältern. Fast niemand braucht das Auto, das er aktuell besitzt, fast alle haben ein zu teures Auto. Als ich schon Millionär war, bin ich noch immer ein kleines Auto gefahren, obwohl ich Autos mag. Für ein Auto sollte man sich nicht verschulden, vor allem heute nicht mehr. Es gibt genug Alternativen, die auch ökologischer sind.

Meine nächste Regel betrifft Immobilien. Immobilien sind des Deutschen liebstes Kind, so sagt man. Aber: Wenn du nicht 30 Prozent und die Nebenkosten für den Immobilienkauf hast, kaufst du keine Immobilie. Selbstgenutzte Immobilien sind reiner Luxus, wir sollten dafür keine großen Schulden aufnehmen, die uns belasten. Wir leben zum Beispiel erst seit sieben Jahren in unserem eigenen Haus.

Schulden machen Sklaven

Warum dränge ich so darauf, Schulden um jeden Preis zu vermeiden? Schulden machen Sklaven, und sie machen krank, unfrei und lassen uns arm fühlen. Sie sind keine gute Möglichkeit zur Überbrückung. Schulden machen ein Defizitgefühl und das schadet uns. Unser Geldverhalten nimmt Schaden.

Was tun, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist?

Doch was tun, wenn die Schulden schon da sind? Dann muss man damit umgehen. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken – was die meisten tun. Wenn du Schulden hast, musst du dich ab sofort aktiv um deine Schulden kümmern.

1. Notiere dir, welche Schulden du aktuell hast. Jeden einzelnen Betrag und worum es sich dabei handelt.
2. Überlege dir, wie du diesen Betrag zurückzahlst – und welchen Mindestbetrag du monatlich zurückzahlen musst.
3. Wie viele Monate brauchst du dafür? Teile dafür die Gesamtsumme durch die monatliche Rate.

Nun hast du einen realistischen Überblick darüber, wo du Schulden hast, wie viel du zurückzahlen musst und wie lange das dauert. Jetzt kann es sein, dass der belastende Schuldenberg allein schon dadurch etwas geschrumpft ist, dass du ihn realistisch betrachtet hast.

Bezahl nicht nur ab, sondern spare nebenbei auch noch – mit der 50/50-Quote

4. Mach dir einen Plan, in dem du 50 Prozent deines frei verfügbaren Kapitals als Sparquote nutzt und 50 Prozent zur Schuldentilgung. Du nimmst nur eine Hälfte, um deine Schulden zu tilgen und die andere Hälfte brauchst du, um jetzt sofort zu beginnen wohlhabend zu werden. Und dafür musst du sparen. Jetzt könntest du sagen: „Mist, habe ich nicht, ich brauche mehr als 50 Prozent, um die Schulden zu bezahlen.“
Dann verhandle im fünften Schritt die Quote, die du bezahlen kannst.

5. Ruf deinen Gläubiger an und sag ihm die Wahrheit: „Ich habe Schulden bei Ihnen. Und ich verspreche Ihnen, ich zahle meine Schulden zurück. Aber ich brauche ein bisschen mehr Zeit. Ich hoffe, Sie merken, dass ich es ernst meine.“ Und das ist natürlich wirklich kein Lippenbekenntnis. Das ist dein Ernst. Du wirst diese Schulden zurückzahlen, nachdem ihr einen Plan vereinbart habt, den du einhalten kannst.

Damit hast du eine Sache schon für dich gewonnen: Du hast deinen Gläubiger emotional für dich eingenommen. Versetze dich in die Lage des anderen, dann weißt du, wovon ich rede: Meist ist es nämlich so, dass der Schuldner sich nicht mehr meldet und sogar abtaucht.

Halte dein Versprechen bis auf den letzten Cent. Das Gefühl danach kannst du feiern.

6. Der sechste Schritt ist, dass du laut dem vereinbarten Plan die Schulden zurückzahlst, während du parallel die anderen 50 Prozent sparst. Direkt zum Zurückzahlen von Schulden sage ich nur einen Satz: Wenn du Schulden nicht zurückzahlst, kommt das energetisch in deinem Leben zurück. Zum Beispiel, indem jemand anderes dich um dein Geld betrügt. Zahle jeden Cent deiner Schulden zurück. Jeden Cent.

7. Wenn du die Schulden los bist, stellst du deinen schweren Rucksack neben dir ab und atmest tief durch. Und dann kannst du erstmal feiern. Muss ja nicht viel Geld kosten. Aber Schuldenfreiheit ist ein guter Grund zum Feiern.

Wer Geld verleiht, verlängert das Leiden

Ein paar Worte möchte ich noch sagen, falls du ein Gläubiger bist. Zu dem, was du dann tun bzw. lassen solltest, habe ich eine klare Meinung.

Vor vielen Jahren hatten meine Eltern in ihrem Unternehmen hohe Schulden. So etwas kann passieren. Es hat uns alle sehr belastet. Wir haben gelitten. Ich wollte daran etwas ändern und bat meinen damaligen Mentor um eine sechsstellige Summe Geld. Was hat er darauf erwidert?
„Philipp, du kriegst von mir kein Geld. Du weißt, dass ich dir das Geld leihen könnte. Aber ich würde damit dein Leiden nur verlängern. Ich weiß, wie leidvoll es ist, Schulden zu haben, aber erst, wenn ich dir kein Geld leihe, bist du gezwungen, es selbst zu beschaffen. Ich würde dir damit keinen Gefallen tun, glaub mir.“

Verschenke das Geld lieber, wenn es denn sein muss

Meine Eltern haben es später selbst geschafft. Die Schulden waren zurückgezahlt. Und ich wusste, dass mein Mentor Recht hatte, so bitter es damals auch war und so wütend es mich in dem Moment auch gemacht hat. Heute bin ich derselben Meinung wie er: Jemandem Geld zu leihen, bedeutet, dazu beizutragen, dass sein Leid verlängert wird. Ich empfehle heute, es nicht zu tun. So hart es klingt, und so hart es ist – für den anderen und für dich, wenn du den anderen leiden sehen musst. Vielleicht ist es ein Freund, eine Freundin, vielleicht ein Familienangehöriger. Lass es sein. Verleihe kein Geld. Dann verschenke das Geld lieber.

Über den Autor: Philipp J. Müller

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