„Erst die Persönlichkeitsentwicklung, dann das Geld“. Das sage ich immer, wenn ich mit Leuten darüber spreche, dass sie ihre Finanzen in Angriff nehmen sollen. Aber die meisten setzen das erst einmal nicht um. Warum nicht? Woher kommen diese Widerstände?

Warum schiebst du es auf, dich um deine Finanzen zu kümmern?

Weißt du, was der einfachste Schritt zu einem besseren Verhältnis mit deinen Finanzen ist? Das Töpfesystem. Ich habe es in einem anderen Beitrag schon vorgestellt, du musst kaum Aufwand betreiben: Ein wenig, rechnen, Konten zum Verteilen anlegen und die nötigen Daueraufträge einrichten. Zack, fertig. Das dauert nicht mal einen Tag. Das Töpfesystem birgt keine Risiken. Trotzdem setzen viele diesen simplen Schritt zum besseren Umgang mit ihren Finanzen nicht um.
Ich weiß , was dahintersteckt: Tiefe innere Widerstände. Und die kommen meist daher, dass vielen Menschen die Realität unangenehm ist. Sie wissen, dass ihre Sorge „Ich werde im Alter nicht genug Geld haben“ begründet ist. Anstatt aber nun ihre Finanzen in den Griff zu bekommen und die Zukunft anzupacken, verfallen sie in eine Schockstarre und verdrängen das Ganze.

Vielen fehlt eine gute Beziehung zu ihren Finanzen

Das heißt, dass sich viele Menschen nicht mit ihren Finanzen beschäftigen wollen, weil sie sich die falschen Glaubenssätze eingeprägt haben: „In diesem Leben werde ich doch eh nicht reich“, „Wohlhabend? In dieser Wirtschaft? Da habe ich keine Chance“.
Kommt dir das bekannt vor? Gepaart mit ungünstigen Gewohnheiten wie „Wenn ich Geld habe, gebe ich es auch aus. Man lebt schließlich nur einmal“ führt das garantiert nicht zu Wohlstand. Für viele ist Wohlstand, sind ausgeglichene Finanzen der große Traum am fernen Horizont, Sie erkennen die Dinge nicht, mit denen sie JETZT glücklich sein könnten.

Das Prinzip der hedonistischen Anpassung – Geld macht nicht glücklicher

Die amerikanischen Psychologen Philip Brickman, Dan Coates und Ronnie Janoff-Bulman haben vor einigen Jahren eine Studie durchgeführt, in der sie über ein Jahr lang die Zufriedenheit von Lottogewinnern und Menschen, die nicht gewonnen haben, verglichen haben. Das Ergebnis (inzwischen noch einige Male bestätigt): Wer fünfmal so viel Geld hat, ist nicht fünfmal so glücklich. Sowohl nach Erfolgserlebnissen als auch nach Schicksalsschlägen pendelt sich das Glücksgefühl nach einiger Zeit wieder auf dem „Normal“-Niveau ein.

Geld macht nicht unbedingt glücklich, ist aber dennoch wichtig

Aber eine „Geld ist nicht wichtig“-Philosophie ist natürlich auch nicht der richtige Weg. Im Gegenteil: Das könnte sogar noch eine weitere Abwehrstrategie sein. Geld ist wichtig! Materiellen Wohlstand brauchen wir, um gut leben zu können. Sonst sind wir tatsächlich weniger glücklich. Wenn Geld nicht wichtig wäre, würden wir nicht arbeiten gehen, um welches zu verdienen. Wenn du schon einmal eine Schuldenerfahrung gemacht hast, kennst du den Schmerz, die Scham, das Gefühl der Ausweglosigkeit und die Verzweiflung. Das alles will ich gar nicht bestreiten.

Kümmere dich um deine Finanzen – und um deine persönliche Entwicklung

Stellen wir uns einen erfolgreichen Profi-Fußballer vor. Damit er so erfolgreich werden konnte, hat er in den letzten Jahren vor allem trainiert, trainiert und noch mehr trainiert. Körperlich, versteht sich. An seiner Persönlichkeit oder Wissen um Finanzen hat er nicht gearbeitet. Nun hat er auf einmal fünf Millionen Euro in der Tasche. Eine tolle Sache – mit einem Haken: Seine Persönlichkeit passt nicht zu so einem Haufen Geld, weshalb er in sehr kurzer Zeit schon wieder alles ausgegeben hatte. Das ist doch ärgerlich.

Wenn wir lernen wollen, mit Finanzen umzugehen, um somit mehr zu mehr Geld zu bekommen, müssen wir uns zunächst persönlich weiterentwickeln.

Beginne deine Veränderung von außen

Fangen wir von außen an und arbeiten uns nach innen vor. Schritt für Schritt. Heute beginnst du vielleicht damit zu spenden. Morgen stärkst du deine Beziehung zu deinen Finanzen, indem du zum Beispiel besser über Geld sprichst: Vermeide Wörter wie „Kohle“ oder „Schotter“. Sprich von reichen Leuten nicht als „Protzer“, denn auch so etwas führt zu inneren Widerständen. Wer will schon ein Protzer werden? Wenn du das beherzigst, verändern sich deine Gedanken und Emotionen. Du kennst das vielleicht vom Lächeln: Wer lächelt, verändert seine Biochemie und macht sich automatisch glücklicher. Im Beispiel Beziehung zum Geld wird es zwar etwas länger dauern, bis du Erfolge bemerkst – aber es wird sich auf lange Sicht lohnen.

Doch Achtung: Auch hier ist es wichtig, etwas differenzierter an die Sache heranzugehen. Du sollst nicht ab sofort nur noch positiv denken, mit einem seligen Lächeln durchs Leben schweben und alles mit der rosaroten Brille sehen.

Stell dir vor: Du stehst morgens auf, nachdem du die Nacht schlecht geschlafen hast. Dein Rücken tut weh, es ist noch dunkel, es regnet, insgesamt hast du überhaupt keine Lust auf den Tag. Trotzdem musst du aufstehen und dir fällt ein: Der Typ in dem Geld-Blog hat gesagt, ich soll positiv denken. Du zwingst dich also zu einem Lächeln, und während du dich aus dem Bett quälst, denkst du: „Ach wie schön, ein neuer Tag bricht an! Kalter Nieselregen hat ja irgendwie auch was Tolles. Ich kann es kaum erwarten…“

Sei ehrlich zu dir, wenn du mehr aus deinen Finanzen machen willst

Du ignorierst deine Rückenschmerzen, weil du nur noch die guten Dinge siehst. Und weil du „gesund und glücklich“ bist, gehst du mit deinen Schmerzen nicht zum Arzt und bekommst nicht gesagt, dass du zur Physiotherapie sollst, um deine Haltung zu verbessern. Das Ganze endet in einem Bandscheibenvorfall, der dich ein Weile lahmlegt. Super gelaufen.

Es ist also sinnvoller, wenn du erst auf deine Wahrnehmung achtest. Was sind wirkliche Probleme, was sind nur innere Widerstände? Was hält dich tatsächlich davon ab, dich um deine Finanzen zu kümmern? Und auch umgekehrt solltest du dir die Frage stellen: Welche Gedanken sind völliger Blödsinn, die dich nur unnötig runterziehen? Wo könnten etwas optimistischere Gedanken tatsächlich helfen? Hoffe nicht immer nur auf den Geldsegen, der in einigen Jahrzehnten kommt, all deine Probleme in Luft auflöst und dich rundum glücklich macht. Sei ehrlich zu dir und nimm dein Leben und deine Finanzen in Angriff. Arbeite jetzt an deinen inneren Widerständen. Sonst kommst du nie ins Handeln und nimmst dein Geld nie selbst in die Hand.

Über den Autor: Philipp J. Müller

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